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Meine Freundin Steffi hat einen neuen Lebensabschnittspartner. Und ein gutes Herz!

Ihren Hund hat sie aus dem Tierheim geholt, ein selten verstörtes, unerziehbares Vieh. Sie ist seit ihrem 18. Lebensjahr in einer Selbstbesteuerungsgruppe, unterstützt großzügig Umweltorganisationen und Menschenrechtsaktivitäten, trinkt im Advent literweise Punsch von gemeinnützigen Vereinen, obwohl sie Süßes hasst und kauft alljährlich den armseligsten, abscheulichsten Christbaum, um diesem ein wertschätzendes Ambiente für seine letzten Tage zu bescheren.

Steffi setzt sich für Minderheiten ein und fühlt sich daher zu Randgruppen besonders hingezogen.

Früher definierten sich Männer über Statussymbole wie aufgemotzte Motorräder, kernige Bizeps, kostspielige Markenuhren, Designeranzüge und meinetwegen über g‘spritzte und aufg‘spritzte Tussis an ihrer Seite. Heutzutage punkten sie mit Laktose-Intoleranz, als Mobbing-Opfer oder Burn Out-Gefährdete.

Deshalb hat meine Freundin Konstantin angeschleppt. Konstantin ist Veganer. Nicht irgendeiner, nein, ein absoluter Hardcore-Veganer. Bevor der an einem Plakat vom Wiesbauer vorbeigeht, wechselt er die Straßenseite. Sagt einer „Das ist mir wurscht!“ spuckt er vor ihm aus. Ein Glücksschweinderl zu Silvester tauscht er naserümpfend gegen einen Fliegenpilz.

Als Steffi ihn mir näher vorstellen wollte und zu diesem Behufe zum Abendessen mitbrachte, wusste ich nichts von seiner eingeschränkten Speisenauswahl. Ich hatte Rindsuppe mit Grießnockerl, faschierten Braten mit Kartoffelpürre und Rahmgurken gekocht. Ein schwerer Fehler! Weder Suppe, Einlage, Hauptspeise oder Beilagen kamen in Frage, geschweige denn auf den Teller. Bevor er sich ausgehungert an meiner Blumendeko vergriff, servierte ich ihm rasch die letzte Schnitte meines zwei Tage alten Brots, auf das ich Pflanzenmargarine mit einem Erdölanteil gleich dem eines Autoreifens strich und die letzten der zuvor der Suppe beigegebenen Schnittlauchröllchen, die ich noch vom Schneidbrett kratzen konnte, streute.

Seither bin ich bei jedem Neubesuch auf ausgefallene Nahrungsmitteleinschränkungen gefasst. Sogar Frutarier kämen auf ihre Rechnung, denn irgendein Stück Apfelschale, eine ausgepulte Erbse, eine davongehüpfte Weintraube oder ein weggerolltes Gurkenrad sind auf meinem Küchenboden meist zu finden.

Glücklicherweise bin ich kulinarisch voll flexibel und auch nicht leicht beleidigt. Ob mir ein Essen verbrennt oder verwelkt, ist mir einerlei. Das eine kommt in den Restmüll, das andere in die Biotonne. Ob jemand isst oder doch lieber grast, überlasse ich jedem selbst. Konstantin hatte nicht nur keinen Bock – in seinem Jargon wohl eher keinen Kochsalat – auf tierische Produkte, sondern auch keinen Humor. Meine Fragen, ob er denn Blutorangen esse und was bei einem Biss in die eigene Wange zu tun sei, kamen gar nicht gut an. Ich finde hingegen Witze über Tofu geschmacklos – im wahrsten Sinn des Wortes.

Die Gründe für den Verzicht auf tierische Produkte sind ja recht unterschiedlich.

Die einen leben es als Alleinstellungsmerkmal, um ein Statement abzugeben und sich mit Gleichgesinnten abzuzheben, die dann auf den Rest der niederen Menschheit mitleidig hinuntersehen können. Pech nur, dass all jene – sobald die Menge der Trendnachhampler zunimmt – erst recht wieder zur breiten Masse gehören.

Andere nennen Ernährungsbewusstsein als Beweggrund. Diese Gruppe will einfach gesund und vital sterben. Dass sie sich im Gegenzug zu tierischem Eiweiß jede Menge Chemie, Plastik und künstlich hergestellte Substanzen in Form von Bratwürstel-Ersatz, Schnitzel-Klone und Käse-Lookalikes mit suspekten Inhaltsstoffen und haufenweise Geschmacksverstärker auf den Teller laden, verstehe wer will. Da kann ich doch gleich an meinen ausrangierten Barbiepuppen knabbern, die Grundmasse ist dieselbe.

Nicht wenige verzichten aus Tierliebe auf Produkte unserer vierbeinigen, geflügelten oder schwimmenden Lebewesen. Warum man Eier von Federvieh und Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen im Gegenzug für liebevolle Pflege nicht dankbar annehmen darf, erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich stiehlt man Hühnern wertvolle Zeit zur Selbstverwirklichung, wenn sie Eier produzieren müssen. Und beschert milchgebenden Säugetieren Zähneklappern und Krämpfe, wenn sie an kalte Melkmaschinen angeschlossen oder von nicht vorgewärmten Händen gemolken werden.

Konstantin war, wie bereits kurz erwähnt, ein Hardcore-Veganer, weswegen er sich auch weigerte, auf meiner Ledercouch Platz zu nehmen und den kredenzten Wein zu trinken. Das Etikett wäre mit Klebstoff, der tierische Produkte enthielt, aufgepickt. Meinen Hinweis, er brauche die Sitzbank ja nicht zuzureiten und die Banderole nicht abzuschlecken, ließ er nicht gelten. Er setzte sich dann auf den alten Rattansessel und zog sich dabei einen ordentlichen Span in seinen Allerwertesten ein. Das nahm er ebenso gern in Kauf wie seine Schweißfüße in Gummischuhen.

Zynisch fand ich, dass sich Konstantin nach dem Essen ungefragt eine Zigarette ansteckte. Möglicherweise hatte er durch seine fleischlose Ernährung bereits dem ein oder anderen Huhn, einem halben Schwein oder Viertel Kälbchen das Leben gerettet, vielleicht das eine oder andere Vieh vor engen Käfigen beziehungsweise grausamen Schlachtmethoden bewahrt. Das ist löblich. Ehrlich! Warum er dann aber ohne mit der Wimper zu zucken die Lebenszeit von Nichtrauchern, die an seiner Seite zwangsweise zu Passivrauchern mutieren, erheblich verkürzt, konnte er mir nicht schlüssig erläutern.

Daher wollte ich letztendlich gar nicht mehr wissen, wie er dazu steht, wenn seine Partnerin angesichts seines besten Stücks in Verzückung gerät, wo sie doch allen fleischlichen Genüssen entsagen sollte? Wahrscheinlich überwiegt die Freude, sich fortzupflanzen.

Ich gehöre jedenfalls zu jenen Menschen, die auf Lebensfreude und Genuss nicht verzichten wollen und trotzdem auf ausgewogene Ernährung achten. Daher: Bier zum Grillkotelett, ein G‘spritzter zur Heurigenjause, Prosecco zum Lachsbrötchen. Und jede Menge Schlagobers auf meine Schokotorte!