„Hey“, sagtest du, als ich leicht stolpernd in deine Arme fiel, „aus welchem Himmel ist denn dieser auffällige Engel auf die Erde gefallen?“
Nicht die Spur verlegen parierte ich: „Gestatten, Lucia, Siegerin in der Meisterklasse Gefallener Engel.“
„Da haben wir ja etwas gemeinsam! Etwas leicht Diabolisches habe ich auch an mir. Und an Gefallenen Engeln finde ich besonderen Gefallen!“
Wie selbstverständlich nahmst du mich am Oberarm und steuertest auf die Bar an der Straßenecke zu.
„Was darf‘s denn sein?“, wollte der dunkelhäutige Bursche hinter dem Tresen wissen, „Piña Colada oder Swimmingpool – süß und cremig.“
„Für mich einen feurigen Sommercocktail“, orderte ich, „Hot Sex on the Beach mit Chili-Vodka. Da züngelt feurige Leidenschaft und prickelnde Exotik.“
„Bin dabei. Feurige Leidenschaft hört sich vielversprechend an!“
„Höllisch gut, der Drink!“, befand ich am bunten Strohhalm saugend und mein Nebenan erwartungsvoll anblickend.
„Heißer Satansbraten, dir blitzen ja 1000 durchtriebene Teufelchen aus den Augen. Aber diese duftende Wolke, die dich umgibt – das ist kein Schwefelgeruch!“
„Nein, Angel von Thierry Mugler. Den bringe ich aus den Wolken noch vor dem Rauswurf mit.“
„Ein zweites Glas gefällig? Silk Panty Martini klingt gut oder Buttery Nipple würde ich vorschlagen. Damit lässt sich eindeutig zweideutig auf unsere Sünden anstoßen“, schlugst du vor, und ich wollte nicht gleich am Beginn einer Bekanntschaft widersprechen.
„Bei unserem Sündenregister wird wohl noch eine dritte Runde nötig sein. Würde einen Hugo bevorzugen“, gab ich diesmal den Ton an.
„Was hat der, was ich nicht habe?“, wolltest du wissen, kamst mir auffordernd nahe und ließest deine Hand wie zufällig nah meinem Schritt Platz finden.
Ich lächelte wissend, ließ dich gewähren, trank mein Glas aus und bedankte mich artig.
„Wo gehst du hin?“, riefst du mir nach als ich vom Barhocker glitt, auf meinen Mann zuschritt und ihm – ganz absichtlich übrigens – in die Arme fiel.
„Zurück in den Himmel!“, lachte ich übermütig.
„Teufel, du“, hörte ich dich in meinem Rücken und zuckte mit den Schultern.
Für ein paar Cocktails verkaufe ich doch nicht meine Seele.