Gleichsam magisch steuerte das Gespräch in der wöchentlichen Proseccorunde des heiteren Frauenquartetts auf das Thema „Wiedergeburt“ zu.

„Also höher als das Ziel der Erlöschung im Nirvana scheint mir doch der Gedanke als etwas wiedergeboren zu werden, wovon man sich eine Besserstellung im Leben verspricht. Ich, zum Beispiel, stelle es mir himmlisch vor, mein nächstes Leben als PC zu verbringen“, sinnierte Edith. „Ich wäre immer aufgeräumt, hätte genügend Speicherplatz, zur Sicherheit eine zusätzliche Festplatte zum Auslagern, eine Firewall, die mich vor ungebetenen Eindringlingen schützt, könnte jederzeit auf ein Back-Up zurückgreifen und wäre umfassend durch ein perfektes Antivirenprogramm geschützt. Mein Mann würde mir mehrmals täglich seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und völlig aufgelöst sein, sollte ich einmal nicht funktionieren.“

„Da ist was Wahres dran“, griff Lisa den Gedankenfaden auf. „Ich würde gern als Gitarre meines Mannes wiederkehren. Er würde von sich aus dafür sorgen, dass ich immer bestens gestimmt bin, meinen schlanken Hals bewundern, seine Fingerübungen vervollkommnen und geduldig an mir herumfummeln, damit ich noch bessere Klänge von mir gebe. Er würde mich äußerst sorgsam behandeln, mich nach Gebrauch mit einem weichen Tuch abwischen und alsdann auf rotem Samt betten. Er würde mit meinem Alter angeben und mich nie gegen eine Jüngere austauschen wollen. Abends stünde ich auf großen Bühnen im Scheinwerferlicht, könnte in geselliger Runde den Ton angeben und läge des Öfteren in verrauchten, gemütlichen Pubs in verschiedenen Männerarmen.“

„Wenn’s nach mir ginge, wünschte ich mir etwas mehr Zeit für mich selbst. Also vielleicht Wiedergeburt als Holzofengrill?“ Karin, die Betriebsame, öffnete die nächste Flasche und füllte die schlanken Kelche erneut. „Ich hätte lediglich im Sommer Saison und da auch nur bei Schönwetter. Beim Verstauen im Herbst würden alle bedauernd seufzen, danach könnte ich wohltemperiert gelagert überwintern und würde an einem angenehm warmen Frühlingstag erfreut begrüßt werden. Wie steht’s mit dir, Sabine?“

„Über mich habe ich mir noch keine Gedanken gemacht! Aber, mein Mann …“

„Du denkst immer zuerst an Herbert, nie an dich“, ermahnten sie ihre Freundinnen, aber Sabine ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Herbert müsste als Whisky-Eichenfässchen zur Welt kommen – mindestens acht Jahre ruhen, randvoll abgefüllt mit seinem Lieblingsgetränk und dabei sogar reifer werden.“

„Der Meinige wäre vermutlich am liebsten ein Vibrator – immer pulsierend, ein geschützter Arbeitsplatz und jede Menge Ruhepausen zwischen seinen Einsätzen.“

„Ich wünschte mir, Peter käme nach seiner Reinkarnation als Waage zurück. Dann würde er einmal Lasten auf sich nehmen und stets um Ausgleich bemüht sein.“ Karin fühlte sich bemüßigt, erneut nachzuschenken. „Hättest du eine Idee für deinen Holden, Edith?“

„Aber ja! Andreas müsste das Kabel zu mir als PC sein. Wir stünden beide ständig unter Strom, wären uns sehr verbunden und aufeinander angewiesen.“

Der soeben Genannte fand eine vergnügte Damenrunde vor, als er heimkam, Edith in den Arm nahm und sich kurz darauf von den drei Freundinnen seiner Angetrauten verabschiedete.

„Sie sind ja alle recht lieb und fröhlich, aber jetzt freue ich mich auf einen gemütlichen Tagesausklang mit dir. Eins nur: Hast du eine Ahnung, was Lisa meinte, als sie mich fragte, ob mein Ladekabel lang genug und intakt sei?“