Gäbe es keine Ehemänner oder Lebensgefährten oder Lebensabschnittspartner – man müsste sie glatt erfinden.

Wie sonst sollte eine unbedarfte Frau jemals herausfinden über wie viel Geduld, Güte, Ausdauer, Empathie, Toleranz, Verständnis und Einfühlungsvermögen sie verfügt?

Wie sonst sollte sie erkennen, wen sie zu umsorgen (aber nicht zu viel), zu pflegen (aber nicht zu wenig), zu bemuttern (aber gestylt wie eine Geliebte) und im Bett zu verwöhnen (aber mit Mamas Kochkünsten ausgestattet), zu bewundern und zu wem sie aufzuschauen hat?

Das ist kein einseitiges Geschäft – Frauen bekommen dafür auch etwas. Eine win-win-Situation sozusagen.

So beweisen Männer beispielsweise ihre Unersetzbarkeit durch handwerkliche Fähigkeiten. Es soll zwar auch Exemplare geben, die ihre Partnerin mit dem Einschlagen eines Nagels in die Wand beauftragen müssen, aber die lasse ich im Moment außen vor. Ich rede von jenen Goldstücken, die – Professionalisten ähnlich – verstopfte Ausgüsse frei kriegen, tropfende Wasserhähne abdichten, den Staubsauger wieder zum Staub saugen bringen, elektrische Leitungen flicken und Regalbretter auf die gewünschte Länge zuschneiden können.

Loben muss man sie dafür allerdings nicht. Sie wissen um ihren Wert. Lassen ihre Ergebnisse gern von Nachbarn oder Gästen bestaunen. Und ihre Werkzeuge – Trophäen gleich – zum Aufsammeln, Säubern und Wegschlichten für die weibliche Bewunderin an ihrer Seite meist am Ort des Triumphes zurück. Das unterscheidet sie von professionellen Handwerkern. Auf diese Weise verhelfen sie jedoch der bis dahin tatenlos zusehenden, höchstens für niedere Dienste wie Zureichen und Festhalten gebrauchten Gefährtin zu ein wenig Selbstwertgefühl. Und natürlich fällt beim Wasserlachen aufwischen, Kübel leeren, Isolierzange wegräumen und Holzspäne wegkehren ein wenig Glanz der glorreichen Tat auch auf die Partnerin ab.
Männer sind zudem beim Auswählen und Beschaffen von technischen Geräten für Haus, Keller und Garten unersetzlich. Manchmal dauert es eine Weile, bis sie sich zu Entscheidungen durchringen. Aber besser fünf Wochen Geschirr mit der Hand abwaschen, als den falschen Geschirrspüler – mit Bestecklade oder doch Besteckkorb – zu erstehen. Ebenfalls besser, mit dem Kauf des dringend benötigten Rasenmähers bis in den Winter zu warten, weil der da weitaus preiswerter zu erstehen ist. Manchmal unterschätzen Ehegesponse die Größe ihres Einkaufs. Ich meine nicht die Tragweite, die zeigt sich – im Gegensatz zu einem überdimensionierten Flachbildfernseher – erst Wochen oder Monate später. Während man beim Aufstellen des neuen TV-Geräts sofort merkt, dass sich nun das Wohnzimmerfenster nur mehr einen Spalt öffnen lässt. Und das auch lediglich, wenn man sehr gelenkige Arme und schlanke Hände hat. Schon wieder können Frauen ihre Nützlichkeit unter Beweis stellen! Ja, im Prospekt oder in einer riesengroßen Verkaufshalle wirkt manches Gerät deutlich kleiner als in der 63 Quadratmeterwohnung.

An Technik interessierte männliche Exemplare wissen um die neuesten Errungenschaften auf dem IT-Sektor, verstehen, dass innerhalb kürzester Zeit der Drucker oder Scanner mit dem aktuellen PC-Modell nicht mehr kompatibel ist und tauschen ihr Smartphone im Zweijahresrhythmus aus, um alle vor kurzem entwickelten, neuen Funktionen nutzen zu können.

Die Schnelllebigkeit von Produkten, die den Herren der Schöpfung in der Computer- oder Handywelt also völlig einsichtig ist, übersteigt in Sachen Outfit jedoch meist ihr Vorstellungsvermögen.

Ich erlebte, wie ein Mann um die 50 die junge, unbedarfte Verkäuferin einer Modekette zur Verzweiflung brachte, als er lautstark reklamierte, warum die gewünschte Jeansfasson, die in den 70er Jahren seinen wohlgeformten Körper hautnah umschmeichelte, in den letzten Jahrzehnten nicht mehr erhältlich sei. Das zugrunde liegende Schnittmuster war wahrscheinlich bereits längst wieder aus der Mode gekommen, bevor die drangsalierte Handelsangestellte überhaupt das Licht der Welt erblickt hatte.

Ich weiß von befreundeten Paaren über Dramen, die sich abspielen, wenn der weibliche Part Jogginghosen mit ausgebeulten und durchlöcherten Kniezonen, völlig aus der Mode gekommene (und nie wieder in sie hineinfindende) Zweireiher im Kapitänslook oder taillierte Hemden, deren Knöpfe dem Wohlstandsbäuchlein nicht genügend entgegenzusetzen haben, entsorgen wollen. In die Altkleidersammlung traut frau sich das Beschriebene aus Ehrgefühl nicht zu geben. Restmüll ist aus männlicher Sicht tabu. Meist bleiben lediglich zwei Alternativen: bei der Gartenarbeit auftragen oder ab in die Kiste mit den Faschingskostümen.
Wenn Männer modisch unbelehrbar bleiben, ziehen sie oft sogar einen Nutzen daraus: Ich habe gegen Tennisspieler verloren, einzig weil ich mich wegen ihres unvorteilhaften, antiquierten Outfits nicht und nicht auf mein Game konzentrieren konnte.

Unverzichtbar sind Männer, wenn es um Ratschläge geht. Die bringen sie gern häufig, selbstbewusst, ungefragt und in den unmöglichsten Situationen an. Wenn man jedoch um gedankliche Unterstützung anfragt, halten sie sich mit Empfehlungen vornehm zurück. Auf die Frage „Was soll ich dir heute kochen?“ mit „Etwas, das zum Bier passt!“ zu parieren, enthält noch nicht den gewünschten Informationsmehrwert. Besonders Einfühlsame versuchen es mit „Etwas, das wenig Arbeit macht!“. Hey! Den geringsten Aufwand habe ich, wenn du mich zum Essen einlädst! Du glaubst nicht, wie rasch ich meinen Hausanzug gegen ein nettes Sommerkleid getauscht, etwas Farbe aufgelegt habe und in meine Sandaletten geschlüpft bin. In der Zeitspanne habe ich noch nicht einmal die Arbeitsfläche in der Küche abgewischt, die Kochutensilien hergerichtet und das Backrohr vorgeheizt.

Woher dann wie aus dem Nichts Modeschöpfer und Haubenköche auftauchen, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich zieren sich die meisten Frauen, für etwas, das Spaß macht und aus dem effeff beherrscht wird, derart unverschämt viel Geld zu verlangen.

Nicht allein deshalb verdient das starke Geschlecht diese Bezeichnung. Männer können Gurkengläser mit links aufmachen, an denen die zierliche Frau an ihrer Seite trotz Zuhilfenahme jedes Tricks und eines Sprengsatzes gescheitert ist. Sie können sich bei Tischgesprächen ob ihrer Lautstärke und Dynamik besser durchsetzen, auch wenn sie nichts zu sagen haben. Sie können Bierkästen einhändig in den Kofferraum hieven und im Fitnesscenter deutlich schwerere Gewichte stemmen. Sie fürchten nur eines: den gemeinen Männerschnupfen. Der legt sie lahm, während die Frau an ihrer Seite mit 40 Grad Fieber, zugeschwollenen Augen, rinnender Nase und pochenden Ohrenschmerzen noch rasch die Hausarbeit erledigt, die Englischvokabel des Juniors abprüft, dabei dem Töchterlein den sehnlich gewünschten eingeflochtenen Zopf verpasst, die Schwiegermutter am Telefon unterhält und die vermisste Armbanduhr des Göttergatten aufstöbert.

Wie heißt es so schön? Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein verdutzter Mann. Und glaubt mir, ihr Männer: Überraschen tun wir euch gern!